Das Ende einer Legende / The end of a legend

Während Jahrzehnten war der Kodachrome-Diafilm das Mass aller Dinge in der Fotografie. Nun ist die letzte Rolle entwickelt worden – zum Bedauern vieler Fans.


Kodachrome-Dias sind endgültig Geschichte.

Es gab keine rauschende Party in einer glitzernden Weltstadt. Der Abschied erfolgte in der tiefsten amerikanischen Provinz, bei Dwayne’s Photo in Parsons im Bundesstaat Kansas, dem letzten Labor weltweit, das noch Kodachrome-Filme entgegennahm. Einen Tag vor Silvester wurde dort die letzte Rolle entwickelt. Danach waren die Chemikalien aufgebraucht. Ihre Herstellung wie auch jene der Filme hatte Kodak bereits im Juni 2009 eingestellt.

Kodachrome war der erste wirklich brauchbare Farbfilm für den Massenmarkt. Nach seiner Lancierung 1935 blieb der Diafilm mit seinen kräftigen Farben und der hohen Auflösung während Jahrzehnten die erste Wahl für Amateure wie für Profifotografen. «Er hat die Farben in einer Art wiedergegeben, welche die meisten anderen Filme nie erreicht haben, und er hält ewig», sagte der Fotograf Kent Miller dem US-Fernsehsender CBS. Ein ähnlicher Effekt lasse sich bei Digitalfotos nur mit einer Nachbearbeitung erzielen.

Digital war sein Schicksal

Dennoch wurde die Digitalfotografie zum Totengräber für Kodachrome und andere Diafilme, die wegen ihrer aufwändigen Projektion die ersten Opfer der neuen Technologie wurden. Bei Kodachrome kam der komplexe Entwicklungsprozess hinzu, der sich nicht in einer simplen Dunkelkammer im Keller erledigen liess. Für den Kodak-Konzern, der durch die digitale Revolution selber ins Schlingern geraten ist, blieb nur noch das Ende der Produktion – zum Bedauern auch von Fans, die längst auf Digitalkameras umgestiegen waren.

Einer der treusten war der Fotograf Steve McCurry, in dessen Archiv sich rund 800 000 Kodachrome-Dias befinden, wie er gegenüber CBS erklärte. Für seine letzte Rolle, die er ebenfalls bei Dwayne’s Photo entwickeln liess – eine Auswahl der 36 Bilder hat McCurry auf seinem Blog veröffentlicht –, reiste er unter anderem nach Indien, er fotografierte den Schauspieler Robert De Niro, und die allerletzte Aufnahme schoss er auf dem Bürgerkriegsfriedhof in Parsons, als er persönlich auf dem Weg zum Labor war.

T-Shirts zum Abschied

«Ich dachte, es wäre das perfekte Ende für diese Kodachrome-Rolle – ein Friedhof», meinte Steve McCurry. Die wirklich allerletzte entwickelte Rolle aber hat Dwayne Steinle belichtet, der Inhaber von Dwayne’s Photo in Parsons. Zum Abschied liess er eigens T-Shirts herstellen: «Der beste Diafilm der Geschichte ist nun offiziell im Ruhestand», heisst es auf den kodakgelben Leibchen. Sie sind über die Firrmenwebsite erhältlich, für 12.95 Dollar.

(Quelle: 20min.ch online/04.01.2011)